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Amplifire Festival Tag 1: Biffy Clyro, Frank Turner, Fjørt, Rauchen, Arxx, Gallus, Hotwax, The Get Up Kids, Karen Dió, The Intersphere, Pabst, Skirt., Leto, 07.08.2026 in Hamburg, MS Artville - Bericht von der Redaktion

Amplifire Festival Tag 1, 07.08.2026 in Hamburg

Schlossi: Es ist wie immer. Entweder ist nichts, oder alles gleichzeitig. Am heutigen Wochenende konkurrieren diverse Veranstaltungen um die Gunst musikbegeisterter Menschen. Unsere Entscheidung fällt auf das new kid on the block. Das Amplifire Festival findet zum ersten Mal statt und kann direkt mit einem fetten Line-up und schicker Kulisse punkten. Auf dem Festivalgelände, wo sonst Veranstaltungen wie das MS Dockville stattfinden, treffen Kunst und Industrie aufeinander und auf drei Bühnen geben sich die nächsten zwei Tage jede Menge hochkarätiger Bands die Klinke in die Hand.
Fö: Mir ist tatsächlich erst auf dem Festival selbst, weil das so viele Bands angesprochen haben, bewusst geworden, wie besonders das ist: In Zeiten, in denen laufend Festivals pleite gehen, ein neues Festival zu starten, ist tatsächlich erstmal mutig. Und dann auch noch ein reines "Rock"-Festival, wo doch andere Festivals genretechnisch eher vermehrt in die Breite gehen. Alle Achtung! Was mir aber auch aufgefallen ist: Ich war wirklich lange nicht mehr auf nem "Mainstream"-Festival, zumindest würde ich bei Ticketpreisen von 150€ mal davon sprechen. Andererseits gibt sich das Amplifire viel Mühe, auch etwas Subkultur-Flair zu atmen. Und das prüfen wir heute und morgen mal!
Schlossi: Man konnte natürlich im Vorfeld, als das Line-up noch nicht komplett war, die Gelegenheit nutzen und Early-Bird-Tickets für einen schmaleren Taler kaufen. Wer allerdings nicht die Katze im Sack kaufen wollte, musste die 150€-Kröte schlucken. Und jetzt genug der Tier-Metaphern. Um möglichst vielen Menschen den Zutritt zum Festival zu gewähren, gab es ebenfalls die Option, gegen Nachweis ein Sozialticket für 50€ zu erwerben. Ebenso gab es automatisch und ohne Aufpreis eine Ticketversicherung. Alle im offiziellen Amplifire-Shop gekauften Tickets konnten bis acht Tage vor dem Festival gegen den vollen Kaufpreis zurückgegeben werden. Hab ich so bisher noch nirgends gesehen. Wer mehr über die Preispolitik und die Idee hinter dem Festival erfahren möchte, dem sei die Folge des Podcasts "Gina's Room" mit den beiden Veranstaltern Roman und Thomas ans Herz gelegt.
Fö: Danke für den Tipp, den Podcast muss ich mir noch geben! Die Ticketversicherung von infield.live hab ich in diesem Jahr tatsächlich schon hier und da mal gesehen. Was ich leider (noch) nicht gesehen habe, sind Erfahrungsberichte davon. Ich finde es erstmal gut, dass sie bei jedem Ticket dabei ist und nicht optional gegen Aufpreis, das würde sich sehr nach Scam anfühlen - und so sind die Mehrkosten, auf alle Tickets umgelegt, hoffentlich auch überschaubar. Aber es ist nun mal ne Versicherung und ne Versicherung hat Bedingungen und braucht Nachweise, da weißte halt nicht wie fair die sind. Zumal ich selten 8 Tage vorm Festival schon weiß, dass ich krank sein werde, der Zug ausfällt oder der Babysitter absagt. Aber geht schon mal in die richtige Richtung.
Achja, der Transparenz halber: Zumindes für 2/3 unserer Entourage war der Ticketpreis dank Presseakkreditierung obsolet.
Schlossi: Aufgrund des am Samstag parallel stattfindenden Veganen Strassenfestes, bei dem zwei Personen unserer Reisegruppe als Helfende mitwirken und einer sehr frühen Bahnfahrt Richtung Heimat am Sonntag ziehen wir diesmal die zwanzigminütige Autofahrt der knapp einstündigen An- und Abreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vor. Einen Parkplatz kann man reservieren, im Vorfeld geht das nur für beide Festivaltage, vor Ort gibt es dann aber auch Tagesparkplätze für jeweils 20€ pro Tag.
Fö: Das Gelände ist das "MS Artville" in Wilhelmsburg. Hier gibt es wohl das ganze Jahr über irgendwelche Kunstinstallationen, auch Teile der Festivallogistik sind hier dauerhaft vorhanden - gute Wahl also! Zunächst mal fällt uns auf, dass es hier echt übersichtlicher ist als gedacht. Kurze Laufwege zwischen den Bühnen, und trotzdem gibt's überall was zu gucken. Find ich schön!
Schlossi: Was ich total schön finde sind wassergespülte Toiletten, die auch das ganze Festival über sauber waren. Fließendes Wasser, Seife und Papiertücher waren ebenfalls am Start.
Fö: Man hat übrigens auch sonst nie das Gefühl, dass hier etwas zum ersten Mal stattfindet. Läuft alles sehr fluffig! Find's auch nett, dass man ne Pulle Nichtalkoholisches mit aufs Gelände nehmen darf. Und dass es ein Awareness-Team gibt. Und Sozialtickets. Viele Sachen, die andere Festivals nicht hinkriegen.
Schlossi: Los geht's es auf der Butterland-Bühne. Eröffnen dürfen dieses schöne Festival LETO mit einem Heimspiel. 
Fö: Die kannte ich bisher nur, weil ihre Alben schon zwei Mal im Bierschinken-Reviewmarathon gelandet sind. Das war so Betroffenheitspunk, oder?
Schlossi: Die Hamburger Band um Sänger Jannes von Richthofen macht postigen Punk so grob Richtung LOVE A oder DISCO//OSLO. 
Fö: Sag ich ja!
Fö: Wir haben im Vorfeld noch kurz reingehört und freuen uns, dass der einzige Song, den wir kennen, direkt am Anfang kommt: Rotenburg scheint der große Hit zu sein! Sonst aber auch solide Kost für Fans des Genres. Angekündigt wird auch noch "irgendwas" für Januar 2027, wir sollen uns das im Kalender notieren, sagt der Sänger. Der Reviewmarathon wartet!
Schlossi: Der Zeitplan ist eng getaktet, mit Blick aufs Line-up gibt es wenig Verschnaufpausen. Gerade von den noch unbekannteren Bands möchten wir möglichst wenig verpassen. Denn wer weiß, vielleicht kann man irgendwann im Rockstadion stehend sagen: "Die hab ich noch vor zwanzig Leuten im Nachmittagsprogramm vom Amplifire gesehen.".
Zum Glück stehen hier aber durchgehend mehr als zwanzig Leute vor der Bühne. Sehr erfreulich.
Fö: SKIRT. wurden mir vor ein paar Monaten urplötzlich ins Postfach gespült und fand ich da direkt irgendwie spannend. Ergreife also auch gerne die Chance, sie heute live zu sehen. Sie eröffnen das "Nest", die kleinste und auch atmosphärischste Bühne des Festivals. Also, schaut euch mal diese geile Holzbalkenkonstruktion an!
Fö: Zu hören gibt es Hardcore-Punk, der auch immer mal die Brücke zum Pop schlägt. Gesang ist mal eher crustiges Gebrüll, mal melodisches Singen, was in der Kombi schon ziemlich besonders ist. Cool find ich auch, dass der Auftritt nur 20 Minuten dauert. Das ist genau die richtige Spielzeit für ne HC-Kapelle. Subkultur-Test bestanden!
Fö: KAREN DIÓ kannte ich zuvor nicht, klang beim Reinhören aber zumindest nett. Spielen leider parallel zu SKIRT., aber da jene wie erwähnt nur kurz gespielt haben, bleibt uns noch ungefähr ebenso viel Zeit für Karen. Cool!
Fö: Ist tatsächlich eine der Überraschungen des Festivals! Im weitesten Sinne Alternative Rock mit starkem Hang zu Grunge und Punk. Karen Dió kommt aus Brasilien und hat dort in der Skatepunk-Band Violet Soda gespielt, bevor sie nach London zog und ihr Solo-Projekt gründete.
Fö: Sehr energiegeladen! Das Trio spielt auf der "Vorschot"-Bühne, der größten Bühne des Festivals, und so ne Bühne muss man zu dritt ja erstmal vereinnahmen können. Karen gelingt das durch viel Bewegung, wofür sie auch mal ihre Gitarre weglegt - dafür aber die Naht an ihrem Schuh einbüßt, die vor lauter Einsatz reißt.
Fö: Es gab auch noch Coversongs, kannte ich aber beides nicht, sorry. Von Chaperone, das konnten sogar hier und da welche mitsingen. Und von (das musste ich nachrecherchieren) Pitty, eine brasilianische Sängerin. Letzteren Song fand ich echt stark, durch die teils portugiesischen und teils englischen Lyrics. Ich musste weite Teile meiner Kindheit mit portugiesischem Fado und Morna verbringen, da tut es echt gut die Sprache auch mal im Rock-Gewand zu hören! Mehr davon!
Schlossi: Ich dachte, du hattest keine Kindheit.
Fö: Und jetzt weißt du, warum!
Schlossi: Bis auf den Teil mit Morna und Fado schließe ich mich deiner Meinung an. Sympathischer und kurzweiliger Auftritt.
Schlossi: ARXX haben leider während ihres Sets mit technischen Problemen zu kämpfen. Anfangs sind sowohl die Gitarre als auch der Gesang ziemlich leise.
Fö: Der Hi-Hat-Ständer verrutscht auch ständig. Zum Glück ist Marek von Get Jealous (schöne Grüße) zur Stelle und absolviert einige Meter auf der Bühne, um das immer wieder zu richten.
Fö: Im Gegensatz zu meinen Begleitungen sehe ich Arxx zum ersten Mal und kenne auch nicht allzu viele Songs. Zu ein paar hab ich immerhin mal Videos gesehen! Zum Beispiel "Swim" über das Coming Out von Hanni als non-binary. Ist ein Hit!
Schlossi: Einer von vielen! Ich lieb die Band ja und bin sehr froh, dass Ronja mir die erste Platte mal irgendwann zum Rezensieren fürs Plastic Bomb in die Hand gedrückt hat. Eine musikalische Offenbarung.
Fö: Ansonsten zünden offen gestanden nicht alle Songs sonderlich bei mir, aber insgesamt wissen die beiden zu unterhalten. Irritierend finde ich immer, wenn ausländische Bands betonen, wie sehr sie Deutschland lieben, und noch irritierender find ich, wenn das Publikum daraufhin jubelt. Was für Kartoffeln! Ich hab mit Nationalitäts-Abgefeiere Probleme, aber gut, dafür andere vielleicht weniger (Stichwort Aufkleber). Gibt einen Minuspunkt auf der Subkultur-Skala.
Schlossi: Ein paar der Songtitel auf deutsch anzusagen fand ich allerdings ganz witzig. "Weinen in der Waschstrasse" könnte so auch von den AMIGOS sein.
Fö: Wieder rüber zum "Nest". Es spielen nun RAUCHEN, während auf der Hauptbühne Pabst dran sind. Ich hab mir ja eigentlich vorgenommen, mich im Zweifelsfall immer für die Band zu entscheiden die ich zuvor weniger live gesehen hab, aber sorry Pabst: RAUCHEN waren letztens beim Youth Brigade einfach so stark, da führt heute kein Weg dran vorbei!
Fö: Außerdem heben RAUCHEN die Subkultur-Skala! Es gibt Hardcore-Punk meets Post-Punk, starke Kombi. Starke Ansagen auch. Insbesondere geht es viel gegen rechte Umtriebe und für Menschen, die darunter leiden. Wie geflüchtete Menschen, die weiterhin als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. RAUCHEN weisen auf Tauschaktionen zur Bezahlkarte hin. Gute Sache.
Schlossi: Ich empfinde den Sound auf der Nest Bühne als extrem laut. Leider gehen dadurch die Vocals manchmal ein bißchen unter.
Fö: So wirklich arg negativ aufgefallen ist mir das tatsächlich ausgerechnet bei dieser Band. Gegen Lautstärke helfen meine Ohrstöpsel ganz gut, aber dass der Gesang nur schwer zu vernehmen ist, trübt den Eindruck doch ein wenig. Auch sonst ist das nicht so diese massive Soundwand, die ich in Erinnerung hatte. Schade!
Schlossi: Immer gut, wenn man Leute in der Band hat, die mehrere Instrumente spielen können. Hier Wechsel von Bass zu Trompete und Gitarre zu Bass. Der Schellenkranz (hier nicht im Bild) kam ebenfalls zum Einsatz.
Fö: Valentin würde jetzt "scheiß Ska" sagen, aber das mit der Trompete ist ein wahnsinnig guter Moment im Set!
Fö: Da Rauchen ihre Spielzeit nicht voll ausgereizt haben und PABST eh etwas länger auf dem Zeitplan standen, kriegen wir sogar noch einige Songs von denen mit. Ich dachte ja, ich hätte die noch nie live gesehen, aber ein berüchtigtes Online-Magazin behauptet, die waren damals Vorband von Hellacopters. Hätt ich jetzt nicht wieder erkannt.
Fö: Tatsächlich ist das ganz ordentliche Indie-Alternative-Rock-Musik. Von den Songs her vielleicht etwas zu Mucker-haft, das klingt alles so als wüssten die wie man Musik macht. Ekelhaft! Als Festivalband aber sehr passabel, funktioniert auch gut auf großer Bühne. Warum zu dieser Musik ne Wall of Death gefordert werden muss? Naja, geschenkt
Schlossi: Wall of Death ist auch mittlerweile zum Partyspielchen verkommen. Genauso nervig wie hinsetzen und aufspringen. Aber die Band fand ich überraschend gut. 
Fö: Dieses Gebäude gehörte glaube ich nicht mehr zum Festival, aber die weithin sichtbare Message bringt doch tatsächlich auch Flair!
Schlossi: Das Line-up bietet eine wirklich gut kuratierte Auswahl aus etablierten Szenegrößen und den nächsten Durchstarter*innen. Gerade bei den größeren Namen war einiges dabei, das ich nie so wirklich auf dem Zettel hatte. THE GET UP KIDS zum Beispiel. Seit den 90ern aktiv und seitdem auch an mir vorbei gegangen. Dabei ist der poppige Indie-Emo-Sound der Band eigentlich genau meine Tasse Tee. 
Schlossi: Andere Leute hatten die GET UP KIDS damals offensichtlich schon auf dem Schirm, so erzählt zum Beispiel David von Fjørt später bei ihrem Auftritt, dass er es total super findet, jetzt auf der gleichen Bühne zu stehen, wie die Band, zu der früher im Schulbus immer geknutscht wurde.
Fö: Ich musste gerade mal was nachschauen: ich dachte ja, ich hätte die GET UP KIDS zuletzt vor fast genau 25 Jahren live gesehen, aber tatsächlich sind es nur 24. Manno! Am 16.08.2002 beim Bizarre Festival. Da spielten auch Jimmy Eat World. Und irgendwie hab ich Get Up Kids danach einfach nicht viel gehört, weil ich Jimmy Eat World besser fand. Komisch ne? Aber so sind Gehirnwindungen manchmal.
Fö: Ich bereue ein wenig, so wenig Songs zu kennen. Die klingen alle, als wären sie mega-gut! So wirklich kenne ich nur das letzte Album "Problems", also freu ich mich über jeden Song daraus. Leider wird der Überhit "Satellite" schon direkt am Anfang verbraten. Egal, ich freu mich trotzdem. Und ich glaube, auch sonst sind hier einige Fans im Publikum. Find's auch fair von den Veranstaltenden, dass parallel zu den GET UP KIDS nichts auf den anderen Bühnen läuft. Festivals mit mehr als zwei Bühnen finde ich sonst eher anstrengend, weil man immer irgendwas verpasst.
Fö: Die Band selbst gibt sich auch angenehm relaxt. Sänger Matt erwähnt, was für ein höfliches Publikum wir seien - und meint damit, dass wir relativ ruhig sind. Den darauf aufflammenden Jubel kommentiert er damit, dass es einfach nicht das selbe sei, wenn es eingefordert wird. Wahre Worte!
Fö: Nun zeitgleich auf der größten und der kleinsten Bühne: Frank Turner und HOTWAX. Ich teil mir das auf, erstmal ein bisschen zu letzteren, weil das dann doch spannender klingt. Und die erwähnen dann auch, wie schön sie es finden, dass Leute vor der Bühne stehen trotz Frank Turner. Ja, find ich auch!
Fö: Grungig-poppiger Alternative-Punk aus UK. Auf der Bühne viel Bewegung, so viel man eben bringen kann, wenn man nur zu dritt und an die Instrumente gebunden ist. Musikalisch haut mich das aber leider nicht so um. Muss der Grunge-Faktor in der Musik sein.
Fö: Das ist ne Yoga-Übung, oder?
Schlossi: Sag du's mir. Schließlich können wir dich doch seit kurzem im Kreis der Yoga Übenden begrüßen.
Schlossi: Während Fö Bands guckt, checkt der Rest der Bierschinken-Bande das Essensangebot aus. Es gibt zum Glück auch eine vegane Auswahl. Und Kaffee in so putzigen kleinen Tassen. Sogar mit Henkel dran. Ich bin begeistert! Es sind die kleinen Dinge, die das Leben schön machen.
Fö: Ich muss erstmal das Pfandsystem checken. Alles (Becher, Schüsseln, Tassen, Teller) gibt man an nem gemeinsamen Sammelpoint ab. Das hab ich so auch noch nicht erlebt! Heißt, ich hätte meinen Teller auch in die Viva-Con-Agua-Tonne schmeißen können, oder?
Fö: Rüber zu FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS auf der Hauptbühne. Vor der Bühne ist es (erwartungsgemäß) voll, aber eins muss man dem Amplifire lassen: Obwohl hier viel los ist und nie leer vor den Bühnen, es ist nie so drückend dass man nicht trotzdem gut überall hinkommt. Ich hörte es sind heute (morgen wird es ähnlich aussehen) so knapp 5000 Leute da - wenn es in den nächsten Jahren bei ungefähr dieser Kapazität bleibt, fänd ich das wunderbar. Sofern die Festival-Kalkulation damit auf geht. Aber vermutlich müssen die entweder wachsen oder pleite gehen, wie das mit so Festivals halt so ist. Ich hoffe einfach mal, dass es familiär bleibt und sie nicht dem Größenwahn verfallen.
Fö: Frank Turner sah ich bisher erst einmal beim Groezrock und irgendwie ist er immer noch genauso sympathisch wie damals. Muss man auch erstmal schaffen! Bewusst gehört hab ich ihn trotzdem nie, kenne trotzdem ein paar Songs und das sind auch durchaus schöne Lieder! Ein bisschen viel Publikumsinteraktion aber. Hier sollen schon wieder alle "jumpen". Aber Frank Turner betont, dass Leute die physisch oder psychisch dazu nicht in der Lage sind, das nicht machen müssen. Von mir gibt es volle Solidarität mit allen, die das entweder nicht können oder ganz einfach keinen Bock haben. Man muss sich doch nicht alles sagen lassen von denen da oben!
PS: Ich spar mir das Wortspiel mit dem Vorturner auf der Bühne, oder?
Fö: Leider keine Nofx-Cover. Wie geil wär das gewesen.
Fö: Kunstfoto? Naturfoto? Industriekulisse-Foto? Was ist es?
Schlossi: Schön ist es.
Fö: Dann wieder zum Butterland, die zweitgrößte Bühne. FJØRT sind nun dran und spielen uns in die Abenddämmerung. Etwas schade, ganz im Dunkeln hätte besser zu ihnen gepasst, aber immerhin sind sie letzte Band auf dieser Bühne - und es ist gut voll davor!
Fö: Post-Hardcore-Punk-Kram. Muss gestehen, wenn die Band nicht so bekannt wäre, fänd ich sie besser. Aber dafür ist es eine dieser Bands, für die ich auf diesem Festival bin, weil sie eben im Subkultur-Kontext eher selten auftreten bzw. dafür einfach zu groß geworden sind. Da bin ich ja froh, dass sie immerhin nicht auf der Hauptbühne spielen!
Schlossi: Ich hab gerade mal geschaut, wann ich Fjørt zum ersten Mal gesehen habe. Glaub, das war beim Green Hell Lagerverkauf in Münster und dann im gleichen Jahr nochmal beim Rockade Festiwoll im Sauerland. Damals schrieb ich: "Allerdings gefallen sie mir in einem kleineren Rahmen besser." Musste ich jetzt gerade ein bisschen schmunzeln.
Schlossi: Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue vom brachialen Post-Hardcore-Sound der Band begeistert und finde es völlig nachvollziehbar, dass die Band "so groß" geworden ist. Mit ihrer politischen Message halten sie weiterhin nicht hinterm Berg und vielleicht erreichen sie dadurch auf großen Bühnen auch den einen oder die andere politisch Uninteressierte*n.
Fö: Anfang des Jahres kam ja das neue Album "Belle époque", das wirklich einige starke Songs zu bieten hat. Wie '43, sehr gutes Ding. Zu diesem gibt es eine längere Ansage von David, in dem er beschreibt, was passieren kann, wenn die Afd in Sachsen-Anhalt oder anderswo die Mehrheit bekommt: zum Beispiel die Gleichschaltung von Medien, Justiz und Staatsapparat. Das eigentlich erschreckende daran ist ja, dass die Afd davon einiges sogar schon angekündigt hat - und trotzdem noch Leute diese Partei wählen wollen. Gruselig! Als David dann in die Menge springt und das Mikro rum reicht, schallt "Wir leben in Hakenkreuzzeiten", der prophetische Slogan in '43, aus Hunderten Kehlen übers Festivalgelände. Gänsehaut-Moment.
Schlossi: Das präzise Spiel von Schlagzeuger Frank macht einen großen Teil des Fjørt-Sounds aus.
Fö: Ich bin Banause, für mich definiert sich Fjørt durch den irren Blick von David.
Fö: ja  genau!
Schlossi: Tingel-Tangel-Baum.
Schlossi: Nachdem uns Fjørt ihre Wall of Sound um die Ohren gezimmert haben, geht es im Nest weiter mit GALLUS. Gegründet wurde die Band in einem Pub in Glasgow. So fängt wahrscheinlich die Erfolgsgeschichte vieler schottischer Bands an.
Schlossi: Zwischendurch wird immer schön gegen die ebenfalls aus Schottland stammenden Kolleg*innen von BIFFY CLYRO gepöbelt.
Fö: "Shut the fuck up man, we're trying to play a show" - haben die auch sogar Songs von Biffy Clyro angespielt? Ich hab keine Ahnung, kenne die Lieder nicht, und von den Ansagen versteht man auch nur die Hälfte. Egal!
Fö: GALLUS sind definitiv ein Highlight des Programms! Dachte ja, das wäre mal wieder die x-te Idles-Kopie, aber der Sound geht deutlich weiter, ist abwechslungsreich und unterhaltsam, und gleichzeitig sehen die Typen aus als würden sie weiterhin in nem Pub in Glasgow sitzen und gemütlich ihre Pints trinken.
Fö: Dann rüber zu BIFFY CLYRO! Ungefähr die Hälfte des Sets haben wir verpasst, was aber voll okay ist - wie erwähnt kenne ich eh nix von denen. Ich weiß gar nicht ob ich die schon mal gesehen habe, aber ich glaube wir haben die damals ignoriert, als sie im FZW Vorband von Zeke waren, weil uns das zu viel Hype und zu viel Indie war. Und wo hat sie der Hype hingebracht? Headliner beim Amplifire und bestimmt auch noch deutlich größerer Festivals! Ich versuche, mir vorzustellen, wie es wäre, wenn Zeke Headliner wären.
Fö: Muss gestehen: Biffy Clyro ist wirklich mal ne "große" Rockband. Nicht nur personell (mit Violinen, wie krass ist das denn?), auch sonst alles, der ganze Sound, die Show, der Bühnenaufbau, alles schreit nach großem Rock und ist ein paar Level über dem, was wir heute sonst so gesehen haben. Und das ist auch gar nicht mal so verkehrt. Die Songs haben durchaus einiges zu bieten, langweilig wird das jedenfalls nicht - zumindest nicht für die 30-40 Minuten, die wir noch von der Band sehen.
Schlossi: Ich bin auch überrascht, wie pompös der Auftritt ist. Hatte irgendwie erwartet, da stehen drei Dudes und spielen bisschen Musik. Ähem ja, war wohl falsch.
Schlossi: "Episch" wäre wohl ein gutes Wort, um den Auftritt von BIFFY CLYRO zu beschreiben. Fast finde ich es ein bisschen schade, nicht das komplette Set mitbekommen zu haben. Das Publikum ist sehr textsicher und die Songs von einem Chor begeistert mitsingender Fans zu hören, ist schon beeindruckend. Und ich fürchte, ich bin übers Wochenende ebenfalls zum BIFFY-CLYRO-Fan mutiert. Zumindest hat sich seit Freitag ein großer Teil der Songs in meinen Gehörgängen eingenistet und läuft auch auffällig häufig in meinen Kopfhörern.
Fö: Danach sind wir eigentlich durch und unsere Beine schaffen nix mehr. Aber damit THE INTERSPHERE nicht die einzige Band ist, die wir heute außer Acht lassen, schauen wir zumindest für 2-3 Songs noch beim Abschlussact im Nest vorbei. Würde sagen, das ist...äh...sagen wir, Prog-Indie? Kommen von der Mannheimer Popakademie, gibt es schon ne ganze Weile, hab ich bisher immer ignoriert. Erinnert mich an The Notwist, hat aber nichts was mich um diese Zeit noch groß fesseln kann.
Fö: Und das war der erste Tag vom Amplifire Festival! Ich fand's tatsächlich sehr cool und gar nicht so ekelhaft-mainstreamig wie befürchtet. Nahezu keine enttäuschende Band im Lineup, das ganze Festival macht nen sympathischen Eindruck, Publikum auch nett (soweit ich mitbekommen hab). Muss anerkennen, dass es tatsächlich ne gute Idee ist, mal ein "reines Stromgitarren-Festival" auf die Beine zu stellen. Das Programm war ja trotzdem sehr abwechslungsreich. Bin gespannt wie es morgen wird!
Schlossi: Bisher ein rundum angenehmes Festival. Kein Trichtersaufen, kein Flunkyball, kein Rodeobullenreiten, kein lustiges Aktfotoshooting. Einfach nur gute Musik und eine tolle Atmosphäre. Und man muss nicht zelten.


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