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Einiges unter der Haube: Bierschinken eats FZW - Bericht von Fö

Einiges unter der Haube Teil 5: Bierschinken eats FZW

Hallo Freunde, tretet ein, wahret Abstand und ergründet gemeinsam mit uns die großen Geheimnisse unter der Bierschinken-Haube!
In dieser Reihe wollen wir ein wenig darlegen, wie das so bei Bierschinken läuft, wenn grad niemand zuguckt, und wie das überhaupt alles passieren kann und konnte. Bisher haben wir abgehandelt: Den Review-Marathon, unsere Statistiken, die Historie der Seite und den Rezi-Korb.
Diesmal dreht es sich um das Bierschinken eats FZW!
Übrigens ein Thema, das sich in der Kommentarspalte eines hier nicht näher benannten Mediums gewünscht wurde. Und dort auch direkt beantwortet wurde: Eigentlich hat alles, was so mit Bierschinken passiert, mit Glück, oder sagen wir eher, mit Zufall zu tun. Zur Nachlese empfehle ich noch die in Teil 3 geschilderte Historie, wo es vielleicht hier und da zwischen den Zeilen durchschimmerte: Wir haben das alles nicht gewollt!

Es war nie der Plan, ein Fanzine zu machen. Es war auch nie der Plan, eine Festivalreihe aus dem Boden zu stampfen. Das ist halt alles einfach passiert, uns in den Schoß gefallen und wir konnten nicht schnell genug nen Rückzieher machen. Rückblickend betrachtet, könnte das auch der Grund sein, warum wir jetzt schon fast 21 Jahre unser Unwesen treiben: Wir hatten nie irgendwelche Ziele, also mussten wir uns auch nie daran messen. Beim Bierschinken eats FZW war das genauso!

Ich hab das nie gelernt, bin nach wie vor kein Profi und würde mir nie anmaßen, irgendwem Ratschläge zu erteilen. Trotzdem hab ich im nachfolgenden Text welche eingestreut. Hähähä!
Aber zunächst muss ich mal darauf eingehen, wie das überhaupt anfing. Quasi ein kleiner Nachtrag zur Historie! Im April 2010 stand unser zehnter Geburtstag an, was natürlich die Frage aufkommen ließ, ob wir das in irgendeiner Form zelebrieren wollen. Ich konnte mir die Planung und Durchführung eines Festivals nicht wirklich vorstellen, also hab ich alles vertrauensvoll an Bönx gegeben, der ein wirklich wunderschönes zweieinhalb-Tages-Festival im Berliner Tommyhaus auf die Beine stellte. Mit Pascow, Frau Doktor, einer einmaligen Reunion von Die Heiligen 3 Könige - unfassbar eigentlich! Das lief auch sehr gut und war von vorne bis hinten feuchtfröhlich (Nachlese hier). Auch wenn viele gefragt haben, warum wir das denn in Berlin machen und nicht zum Beispiel in der Nähe von Dortmund, wo Bierschinken ja quasi seinen Sitz hat. Aber wie gesagt, ich hab mir das nicht zugetraut, ich war ein kleiner Suffpunker ohne Ambitionen. Das mit dem Suff musste ich kurze Zeit später drangeben, vielleicht mit ein Grund weswegen mir organisatorische Aufgaben anschließend leichter fielen.
2011 dann also unser Elfjähriges an zwei Tagen im Rattenloch Schwerte (Nachlese hier), diesmal war ich schon mehr involviert. Hatte keinen Plan davon, wie man Konzerte organisiert (was ist eigentlich eine Backline?), aber da hat die Rattenloch-Belegschaft gut unter die Arme gegriffen. Allen voran doX alias Semmel, ohne den das wohl alles nicht passiert wäre, aber auch Lawi, Fisher und alle die ich so vergessen habe. Zu meiner Nervosität kam, dass eigentlich nicht allzu viel glatt lief. Die Band mit der Backline kam zu spät, die Catering-Crew lag noch in den Fritten statt Fritten zu liefern, und trotz der großartigen Headlinerbands Blacklist Royals und Kotzreiz waren die Besucherzahlen, naja, ich sag mal ernüchternd. Hätte Bönx mir nicht ins Gewissen geredet, ich hätte wohl die Amis mit nem Hunni Spritkohle wieder auf die Straße geschickt - aber hier habe ich gelernt, dass man bei nem Konzert auch durchaus mal draufzahlen kann. So, und nun kommt der entscheidende Moment: Ein Tag später klingelt das Telefon und mir wird angeboten, ein Festival im FZW Dortmund auszurichten. Hä??
Dazu muss ich wieder ein bisschen ausführen. Es gab damals diese Veranstaltungsreihe "Rockstage Dortmund", bei der immer ein paar lokale Bands spielten, mal gute mal schlechte, aber getreu dem Motto "support your local scene" war ich quasi Stammbesucher und bin da immer sehr gerne hingegangen. Nun hatte sich aber die Situation ergeben, dass ein Termin für die nächste Rockstage stand, das Team aber eigentlich gar keine Zeit hatte. Also rief mich Rockstage-Simon an, ob wir da nicht was zusammen machen können, halt so ausm Bierschinken-Kontext heraus. Waren ja immer noch 5 Wochen Zeit, um was auf die Beine zu stellen! Also los. Simons Vorschlag, das ganze "Bierschinken meets FZW" zu nennen, wurde etwas verballhornt - daher der abstruse Name "Bierschinken eats FZW". War ja eh nur ne einmalige Sache, da kann man auch ruhig mal nen blöden Namen wählen. Dachte ich.
Also dann! Eintritt frei, bisschen Punk, bisschen Metal, bisschen Rock, bisschen Akustik (Nachlese hier). Also deutlich weniger Punk als bei den späteren Ausgaben. Aber es gab schon die zweite Bühne! Die Bands haben ohne Gage gespielt, nur All Aboard! bekamen noch nen Fuffi Spritgeld aus privater Kasse. Unsere Spendendose ging irgendwie unter, da waren am Ende 13,67 Euro oder so drin. Naja, geschenkt. Später hatten wir dann doch lieber Eintrittspreise und konnten dafür Gagen zahlen.

Egal, der Abend lief (für nen Sonntag) ziemlich gut und hat echt Spaß gemacht, so dass dann bei der späteren Nachbetrachtung beschlossen wurde, das zukünftig öfter zu machen. Immerhin konnte ich Rodgers Idee, das monatlich zu machen, noch runterhandeln auf zweimal im Jahr. Puh! Tja. Und seitdem machen wir das so! Also, wenn nicht gerade Pandemie herrscht.
Ansonsten muss ich wohl mal auspacken, was da so für Strukturen dahinter stecken. Das FZW ist ein altehrwürdiges Jugendkulturzentrum, am jetzigen Standort aber ein kompletter Neubau, der 2009 eröffnet wurde. Damals noch in städtischer Hand, wurde es kurz darauf privatisiert. Im Übernahmevertrag wurde aber festgelegt, dass das Jugendamt eine bestimmte Anzahl Abende pro Jahr im FZW bespielen darf und dafür ne ordentliche Miete zahlt, die, wenn wir ehrlich sind, dem Fortbestehen des FZW ganz entschieden zugute kommt. Und das Jugendamt wiederum freut sich, wenn diese Abende von Leuten zusammengestellt werden, die sich in der Jugendkultur auskennen und eine Szene binden - so wie wir! Win-Win für alle. Mir ist bewusst, dass wir da echt in ner ziemlichen Luxusposition sind. Aber wie gesagt, das ist einfach so passiert, ich kann da nix für!
Personell sind wir mittlerweile ein ziemlich gut eingespieltes Team. Rodger (mein Partner in Crime vom Jugendamt) kümmert sich um sehr viel und hält mir ganz viel Orga-Kram vom Hals, darunter auch die Kommunikation mit dem FZW und das Bestellen von Backline, Catering, Personal und was sonst so dazugehört. Noch dazu kennt er die Szene, hat selbst jahrzehntelang in Bands gespielt und weiß halt einfach, was ein Punk-Konzert ausmacht, das ist viel wert. Ebenso Melanie, die sich vor allem um Künstler*innenbetreuung kümmert, und Rudi, der bei technischen Belangen Bescheid weiß. Die FZW-Mitarbeiter*innen seien auch genannt. Jenny, Steffi, Felix, die uns mit Sicherheit öfter den Arsch gerettet haben als uns bewusst ist. Das soll jetzt hier keine Dankesliste sein, denn da wären noch viel mehr Leute zu nennen. Alles Leute übrigens, die ich vorm ersten Bierschinken eats FZW noch gar nicht kannte. Also auch da wieder das Glück gehabt, an die richtigen Leute zu kommen, denke ich.
Mehr will ich zur "Geschichte" der Veranstaltung eigentlich gar nicht schreiben, da gibt es ja genug Berichte zu. Es gab viele große und kleine Highlights, es lief mal gut und mal weniger gut, mal stressig und dann wieder witzig, blablabla. Es gab auch öfter mal Situationen, in denen ich darüber nachgedacht hab, ob ich das überhaupt noch weiter machen will, aber spätestens wenn der Abend dann anläuft macht alles wieder total Bock. So viel Bock, dass es jetzt eigentlich doch mehr als zwei Veranstaltungen im Jahr sind: Mit den gleichen Leuten plus Maz machen wir noch seit 2014 das "Spastic Fantastic Fest" und seit 2015 das "Copacabanana Festival". Seit 2015 mischen wir auch beim Youth Brigade Festival mit, eigentlich nur weil ich unbedingt The World/Inferno Friendship Society buchen wollte, also hab ich mich da in die Orga mit eingezeckt. Die Veranstaltungen werden von den Besucher*innen oft verwechselt, ich verstehe gar nicht warum!

Aber ich geh mal auf ein paar Themen ein, die euch vielleicht interessieren oder zu denen ich ein paar Gedankenfürze raushauen will.
Ein wichtiger Schritt ist natürlich die Terminfindung. Wir sind da nicht wirklich festgelegt, haben uns aber ziemlich auf den Donnerstag eingeschossen.

Das hat zum einen den Grund, dass das Wochenende im FZW meistens schon für diverse Partyformate reserviert ist, zum anderen finde ich einfach, dass an Wochenenden schon genug los ist, und es war ja nie unsere Absicht, in Konkurrenz zu anderen Veranstaltungen zu treten. Außerdem lassen sich Donnerstags gut Bands abgreifen, die ein "langes Wochenende" touren oder zum Beispiel am Freitag & Samstag auf irgendnem großen Festival sind. 2019 hatten wir zum Beispiel das Glück, dass ein Haufen guter Bands auf dem Weg zum Groezrock war. So viele, dass ich einige nicht nehmen konnte.

Andererseits sind Wochenendtermine natürlich gut für Bands, die nicht mal eben unter der Woche freinehmen können. Deswegen freue ich mich natürlich, wenn ab und zu mal ein Freitag oder Samstag abfällt. Nen Mittwoch hatten wir auch schon mal (extra gewählt damit Dampfmaschine das in ihre Tour einbauen können) und anfangs waren es eher Sonntage.

Und man lernt natürlich immer dazu. Wusstet ihr zum Beispiel, dass nicht nur Karfreitag ein stiller Feiertag ist, sondern auch Gründonnerstags keine Konzerte erlaubt sind? NRW überrascht!
Euch interessiert wahrscheinlich am meisten, wie das Booking so abläuft. Tja, das ist wohl das, was für mich am Anstrengendsten, aber auch am Schönsten bei der ganzen Sache ist. Natürlich baut man sich da nach und nach so seine Kontakte auf. Egal ob Bands, Labels, Booker*innen oder selbsternannte Manager*innen. Letzteres sind die Schlimmsten, alle anderen sind meistens cool. Ansonsten kann ich da gar nicht sagen, wie da so das allgemeine Vorgehen ist. Manchmal frage ich explizit eine Band an, entweder direkt oder über die Booking-Agentur. Manchmal gebe ich auch nur den Termin an die Booker*innen und frage, ob sie in dem Zeitraum was Cooles auf Tour haben. Und natürlich gibt's auch den umgekehrten Weg, dass ich angefragt werde. Manchmal dauert es Jahre, bis was klappt, manchmal ist einfach der Wurm drin und manchmal läuft es auf Anhieb glatt.

Gefühlt läuft heutzutage viel mehr über Booking-Agenturen als früher (hatte ich ja schon in der Rezi-Folge erwähnt), aber das kann auch daran liegen, dass ich am Anfang einfach wenig Booking-Kontakte hatte. Insbesondere gibt es natürlich Booker*innen, mit denen ich gerne arbeite, weil die wissen was wir für ne Veranstaltung sind, weil sie selbst DIY-Background haben oder weil wir uns zumindest schon mal persönlich über den Weg gelaufen sind. Trotzdem müssen manchmal noch Verträge unterschrieben werden. Das finde ich furchtbar, das fühlt sich immer so an als würde man sich gegenseitig misstrauen. Aber ist halt einfach üblich, ich werd's nicht ändern können.
Gagenverhandlungen sind dann auch noch son Ding. Manche kommen erstmal mit ner astronomisch hohen Summe an. Vermutlich Kalkül, man kann's ja mal versuchen, und wenn nicht kann man ja immer noch runterhandeln. Aber meistens ist dann schon der Punkt erreicht, an dem ich keinen Bock mehr habe und den Kontakt abbreche. Auch schlimm, aber leider üblich, ist die Frage "Was würdet ihr denn zahlen?" und dann muss ich mir irgendne Zahl aus den Fingern saugen, von der ich denke, dass sie realistisch ist, bloß nicht zu hoch sonst werde ich verarscht, aber auch nicht zu niedrig sonst fühlen die sich verarscht. Ganz schlimm! Sowas macht echt keinen Spaß. Wird echt mal Zeit, den Kapitalismus abzuschaffen. Wer macht mit?

Aber naja, meistens einigt man sich auf ne Summe, bei der niemand das Gesicht (oder Geld) verliert und dann läuft das. Bei unseren FZW-Sachen gibt es eigentlich immer Festgagen, das ist dank städtischer Finanzierung zum Glück machbar. Bei anderen Sachen in kleineren Läden, die ich ohne Förderung durchziehe, ist es meistens eher Doordeal, also ne Eintrittsbeteiligung. Das würde ich auch allen empfehlen, die ebenfalls anfangen wollen, Konzerte zu machen. Erstmal klein und mit überschaubarem Risiko, steigern kann man sich immer noch...
Tja, und wie entscheide ich, welche Bands ich buche? Oberste Prämisse: KEINE ARSCHLÖCHER BUCHEN! Ich hab keinen Bock auf schlechte Erfahrungen mit Bands, und hab bisher auch noch keine gemacht. Wenn ich mitbekomme, dass sich Bands mal gegenüber Veranstalter*innen, Mitarbeiter*innen oder Besucher*innen scheiße verhalten haben, werden die halt nicht gebucht. Gibt ja genug andere. Wobei die "Gerüchteküche" natürlich schwer zu bewerten ist, weswegen auch hier wieder persönliche Kontakte das A & O sind.

Und natürlich erleichtert es mir die Entscheidung, wenn ich die Band selbst schon mal irgendwann live gesehen habe oder wenn es zumindest einen Artikel über sie bei Bierschinken gibt, da achte ich natürlich schon sehr auf Eindrücke und Empfehlungen von anderen. Dann und wann hab ich auch mal in den sozialen Netzwerken nach Bandwünschen gefragt, aber wenn sich da 90% nur nen Auftritt der eigenen Band wünschen, kann ich mir das auch gleich sparen.

Ansonsten gibt es eigentlich recht viele Punkte, die ne Rolle spielen. Es soll ein stimmiges, aber abwechslungsreiches Lineup sein. Lokale Bands sollen ne Chance haben zu spielen, tourende Bands aber natürlich auch. Unbekannte Bands verdienen Unterstützung, aber bekannte sorgen für Publikum. Und ich hab auch gerne mal ne Band dabei, die etwas den Rahmen sprengt, das Publikum überrascht oder einfach nur irgendwas anders macht als alle anderen Bands. Denn wenn wir ehrlich sind, viele Bands sind halt einfach austauschbar...
Tja, aber im Grunde ist alles Bauchgefühl. Kann mal trügen und mal nicht, aber wenn ich mir unsicher bin, mach ich's halt nicht. Im Endeffekt bin ich selbst mein eigener Maßstab. Ich will mich jedenfalls nicht hinterher ärgern, eine bestimmte Band gebucht zu haben, obwohl ich es doch eigentlich gar nicht wollte. Bei Eisenpimmel hab ich zum Beispiel echt lange überlegt, nicht wegen der Band sondern wegen dem zu erwartenden Publikum. Das war aber dann doch sehr angenehm - von daher alles richtig gemacht.

Eine Sache ist mir auch noch wichtig: Ich buche ungerne Bands mehrfach. Gibt genug Festivals, bei denen die Lineups was von nem déjà-vu haben - dabei gibt es doch genug Bands auf diesem Planeten! Ich glaube, die Bands die zweimal bei uns waren, kann ich an einer Hand abzählen. Andererseits gibt es halt einfach Bands, bei denen ich nicht nein sagen kann. Wieder Bauchgefühl.

Natürlich ist es auch jedes Mal erneut schwierig, das Lineup auszuwählen. Mitunter dauert es ja einige Wochen, bis feststeht ob ne Band kann. So lange halte ich den Slot dann auch frei und frage keine weiteren Bands an, ich will nicht in die Situation kommen zu viele Bands zu haben und wieder einer absagen zu müssen. Ist auch noch nie passiert. Dann stopfe ich lieber 10 Bands ins Programm.

Die Shitlers haben mal behauptet, ich hätte sie eingeladen und wieder ausgeladen. Ich hab so getan als wär mir das egal und ein bisschen witzig war es ja auch, aber dass Leute das geglaubt haben, hat mich natürlich schon geärgert. Warum sollte ich die Shitlers buchen? Ich hab euch ja die oberste Prämisse genannt! Dafür haben wir sie mal irgendwann auf nen (temporären) Flyer gepackt obwohl sie gar nicht angefragt waren und natürlich auch nicht gespielt haben. Sauwitzig! Gab sogar jemanden, der extra für sie angereist war. Shitlers-Fans sind ausnahmslos alle extrem dumm.
Was wir nie hatten, sind irgendwelche Quoten. Es gibt keine Vorgaben, lokale Bands zu buchen und auch keine bezüglich Geschlechter-Parität.

Aber ich finde einfach, dass man als Veranstalter*in eine gewisse Verantwortung der Szene und der Entwicklung in der Szene gegenüber hat. Aus großer Macht folgt große Verantwortung, das Zitat wird Spiderman zugeschrieben, und wer will der Spinne widersprechen? Natürlich habe ich keine große Macht, ich bin ein kleines Licht, aber getreu der Chaos-Theorie oder auch des Butterfly Effects kann Kleinvieh ja auch Mist machen. So, damit hab ich alle Phrasen zu dem Thema rausgeholt!

Was ich sagen will, wer die Möglichkeit hat, eine gewisse Öffentlichkeit zu erreichen, sollte sich bewusst sein, dass er oder sie einen Impact auf das Chaos da draußen hat - und das sollte doch gefälligst ein positiver sein. Egal ob es um Förderung von kleinen lokalen Bands geht oder darum, bei mehr Frauen* Bock auf Bühnen und Instrumente zu wecken. Ich kann doch nicht behaupten, es gäbe zu wenig nicht-rein-männliche Bands und gleichzeitig aber nichts dafür tun, dass es vielleicht dafür in Zukunft mehr nicht-rein-männliche Bands gibt.

Zumal ich finde, dass es aktuell sehr viele sehr gute Bands mit Frauen*-Beteiligung gibt. Vielleicht nicht alle Headliner-tauglich, aber das lässt sich ja mit langfristiger Aufbauarbeit (und die kann ein Festival leisten) ändern.

Mehr hab ich dazu eigentlich nicht zu sagen. Wie gesagt, Quoten gibt es nicht und erst recht nicht würde ich mir gender equality auf die Fahnen schreiben oder Bands als "female-fronted" bewerben. Wir hatten schon Lineups ohne Frauen* auf der Bühne, wir hatten welche die fast ausgeglichen waren, ebenso wie wir Abende hatten komplett ohne lokale Bands. Tja, ist dann halt so. Natürlich gehört da auch immer Booking-Glück dazu, aber man muss eben auch mal die Augen aufmachen.
Thema Headliner: Auch son Ding. Ich hasse Headliner. Ich fahre selten zu Festivals nur wegen der Headliner und wenn es nach mir ginge, hätten wir beim Bierschinken eats FZW auch gar keine. Nur leider funktioniert das Business anders.

Mein Lieblingslineup ist nach wie vor Ausgabe 14, da waren alle Bands richtig super, es war abwechslungsreich und international, und vor Allem: Es gab keine Headliner! Also, klar, gewisse Abstufungen im Bekanntheitsgrad machten sich auch hier auf die Position aufm Poster und im Zeitplan bemerkbar, aber insgesamt war das schon sehr gleichberechtigt. Aber die Besucher*innenzahlen zeigten: Ohne Headliner kommen halt einfach weniger Leute.

Ansonsten ist bei uns der Begriff eh nicht immer klar definiert. Wer ganz oben auf dem Plakat steht, spielt nicht immer den längsten Slot und die letzte Band ist auch nicht immer der Headliner. Meistens lege ich die "bekannteste" Band so, dass sie gegen 23 Uhr vorbei ist, damit zumindest die Fans die nur für diese Band gekommen sind, auch ihre Bahn kriegen und sich niemand beschwert. Danach folgen noch ein bis drei weitere Bands, zum Glück gibt es genug Leute die so lange bleiben.

Ach, eine Sache noch: Gebietsschutz, habt ihr vielleicht mal von gehört. Manche Festivals machen das mit ihren Bands aus, damit diese nicht in einem gewissen Zeitraum in der Nähe des Festivals spielen dürfen. Natürlich sind wir zu klein, um sowas verlangen zu können, ich halte es auch nicht für sinnvoll und wenn ich gefragt werde, "erlaube" ich der Band natürlich den Folgeauftritt. Aber wenn ich mitkriege, dass ne eigentlich zugkräftige Band, die ich für nen Donnerstag gebucht habe, am Folgetag (dem fürs Publikum viel attraktiveren Freitag) in Duisburg oder sonstwo in der Nähe spielt, kann ich diese Methoden großer Festivals verstehen. Noch ein Grund mehr, mit Booking-Agenturen zu arbeiten, die haben solche Kollisionen meistens eher auf dem Schirm als die Bands selbst.
So, jetzt hab ich wirklich genug zum Thema Booking geschrieben. Nächstes Thema: GEMA! Da das FZW natürlich eine Pauschale zahlt, hab ich da recht wenig mit zu tun, außer dass ich die Musikfolgen von den Bands ausfüllen lasse.

Bei Konzerten die wir außerhalb vom FZW machen, ist das was anderes. Da melde ich die Veranstaltung gewissenhaft an, lasse immer alle Musikfolgen ausfüllen - und musste noch nie Gebühren zahlen für ein Konzert, bei dem alle gespielten Lieder GEMA-frei waren. Das würde ich auch allen Jungveranstalter*innen empfehlen: Spielt das Spiel einfach mit. Eine Freundin, die mal ein Praktikum bei der GEMA gemacht hat, hat mir empfohlen, zusätzlich dick und fett "gemafrei" auf die Anmeldung und den Musikbogen zu schreiben (natürlich nur dann, wenn es wirklich keine gemapflichtigen Songs gab). Auch die Empfehlung gebe ich weiter. Auch wenn ich grad nicht weiß, wie das bei digitalen Einreichungen so läuft - ich hab immer Scans per Email verschickt, das war okay.

Ansonsten gibt es viele Wahrheiten und Unwahrheiten zur GEMA. Ich stecke da auch nicht hundertprozentig drin. Aber an sich finde ich den Grundgedanken gut. Die GEMA ist eine Verwertungsgesellschaft, d.h. sie kümmert sich um Verwertungsrechte von Musikstücken. Wenn du ein Lied schreibst und das im Radio gespielt wird, oder eine Band ein Cover davon spielt, ist es ja nur fair wenn du auch an den Einnahmen beteiligt wirst. Wäre aber ziemlich umständlich wenn jede*r einzelne Songschreiber*in mit jeder Radiostation und jeder Coverband einen Vertrag aufsetzen würde, also sitzt quasi die Verwertungsgesellschaft dazwischen und verwaltet alles. Also muss für ein Konzert, sobald mindestens ein gemapflichtiger Song gespielt wird, von dem/der Veranstalter*in zusätzlich zur Bandgage auch Geld an die Gema gezahlt werden, das dann abzüglich Provision optimalerweise wieder bei den Songschreibern landet. Wenn kein Gema-Song gespielt wird, muss auch keine Gema gezahlt werden - aber angemeldet werden muss das Konzert trotzdem. Das ist ein Punkt, den ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Auch nicht, warum die Gema sich auch dann einmischt, wenn Bands Lieder spielen, die sie selbst geschrieben haben - was ja im Punkrock oft der Normalfall ist. Es gibt auch viele andere Punkte, die an der GEMA zu kritisieren sind, und man kann sich da echt zu Tode diskutieren. Aber so läuft es nun mal...

Würde ich Bands empfehlen, in die Gema einzutreten? Wenn sie Kohle machen wollen ja, wenn sie cool sind nein. Auch wenn meine Label-Kollegen mich für diese Aussage wahrscheinlich köpfen werden.
Tja, auf was kann ich noch eingehen? Die Preise?
Also, die Eintrittspreise sind traditionell niedrig, sind mal gestiegen und mal auch wieder gesunken, aber meistens unter 10 Euro. Wir wollen halt einfach ein Angebot schaffen, das jede*r wahrnehmen kann. Mir ist bewusst, dass das manchmal ziemliche Dumping-Preise sind, die nur machbar sind, weil wir eben Jugendkulturarbeit betreiben. Und dass das auch ein bisschen den Markt kaputtmachen kann, der eben auch lebt von Leuten, die ohne Förderung Konzerte veranstalten und damit zum Teil auch ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Aber trotzdem sehe ich doch, wie viele Leute sich diese Konzerte einfach nicht leisten können.

Außerdem sehe ich unser Festival son bisschen als Appetizer. Man kann für wenig Geld ne Band entdecken, die bei uns ein kurzes Set spielt, kommt dann aber vielleicht wieder wenn sie für mehr Geld ein Einzelkonzert gibt. Das ist eigentlich eh etwas, das mir viel Spaß macht: Leuten einfach mal neue Bands zeigen, die sie noch nicht kennen. Wenn solche Rückmeldungen von den Besucher*innen kommen, fühle ich mich immer besonders gebauchpinselt.

Zum Thema Tickets: Ja, seit ein paar Jahren gibt es unsere Tickets auch bei Eventim. Wieder so ein Fall von "mit den Wölfen heulen". Es ist nun mal leider so, dass viele Leute lieber beim großen Monopolisten bestellen, selbst wenn's da teurer ist. Wenn ich dann an der Kasse sitze und sehe, dass selbst gute Freund*innen, die tief in der Punkszene verwurzelt sind, mit Eventim-Tickets ankommen, blutet mir ein wenig das Herz. Andererseits sind das beim Bierschinken eats FZW oder auch beim Spastic Fantastic Fest deutlich weniger als bei den weniger "szenigen" Veranstaltungen.

Ansonsten gibt es noch Getränkepreise. Auch die sind, dafür dass das FZW eben ein gewinnorientierter Laden und kein selbstverwaltetes AZ ist, okay. Meistens gibt es bei unseren Veranstaltungen das Bier-Special: 0,3er für 2 Euro (früher 1,50) - halte ich für fair. Bei Beschwerden über die Bierpreise kann ich schon mal sauer werden, die kommen nämlich meistens nicht von Leuten die knapp bei Kasse sind, sondern von Leuten denen man ansieht, dass sie kein Problem damit haben, am nächsten Tag im Stadion rundenweise Bier für große Scheine zu holen. Bei der nächsten Beschwerde über die Bierpreise schenken wir nur noch alkoholfreies aus. So!
Noch ein beliebtes Beschwerde-Thema: Security! Warum ich dazu ein Foto von Die Bullen hier einbaue: Keine Ahnung. Vielleicht wollte ich noch einstreuen, dass Uniformierte mit Schlagstöcken nicht unbedingt die erste Band sein sollten, die traumatisierte Geflüchtete bei ihrem ersten Konzertbesuch in der neuen Heimat zu sehen bekommen. Ups. Trotzdem sind Refugees natürlich weiterhin welcome bei uns. Und Die Bullen auch.

Aber ja, Security haben wir auch, und das Thema ist mir immer unangenehm. Denn eigentlich denke ich auch, dass es ohne funktionieren würde. Aber andererseits, wenn doch mal jemand über die Strenge schlägt, will ich dann auch nicht derjenige sein, der ihn oder sie aus dem Laden schmeißt, da bin ich dann froh wenn wir für sowas Profis haben (müssen).
Es passiert (leider) auch mal, dass die Security selbst strenger ist als sie sollte, da fehlt manchmal das Fingerspitzengefühl. Ist aber auch schwer, ihnen beizubringen, dass sie bei Punkerpublikum anders handeln müssen, als sie es beispielsweise von Ü30-Partys und Hiphop-Konzerten gewohnt sind. Dort hilft es ihnen, möglichst autoritär aufzutreten - bei den Punkern, naja, da bringt Autoriät eben keine Respektspunkte und führt eher zur Eskalation.
Meistens kriegen wir aber die gleichen Leute zugeteilt, die mittlerweile auch wissen, dass es gut ankommt, wenn sie ab und zu mal lächeln und nett sind. Andere wiederum werden bei unseren Veranstaltungen nicht mehr gefragt. Da lernt man ja auch dazu.

Insgesamt gehören natürlich sowohl Security als auch Getränkepreise und andere Eigenheiten dazu, wenn man Konzerte in Läden dieser Größenordnung besucht. Egal ob dort ein Punkkonzert stattfindet oder was anderes. Da habe ich wenig Einfluss drauf. Trotzdem halte ich es für wichtig, gerade auch solche Orte mit Subkultur zu füllen. Nicht zuletzt hat das FZW ja auch geholfen, Subkultur zu erhalten, als es sonst nichts gab in Dortmund. Als wir das Bierschinken eats FZW gestartet haben, gab es noch keinen Nordpol und keinen Rekorder, und die alten kleinen coolen Livelocations (Starclub, Painthouse, Bakuda, Livestation, Keller etc.) waren geschlossen oder hatten das Konzerte-Business aufgegeben.
Die Flyer von 2011 bis 2018 hab ich mal irgendwann auf ein gemeinsames Poster gepackt. Ganz schick, finde ich! Ein paar Poster hab ich noch da, wenn wer will gerne melden.
Die ersten drei Motive hat damals die Stadtdruckerei gemacht. Mit Bier, mit Schinken und dem FZW. So viel Humor hätte ich denen gar nicht zugetraut! Danach wollte ich eigentlich jedes Poster von jemand anderem machen lassen, aber nach dem 2014er U-Poster war ich dann doch überzeugt, dass Maz einfach der beste für den Job ist. Wir haben uns dann auch schnell darauf eingeschossen, immer Tiere als Motiv zu nehmen. Tiere gehen einfach immer! Vorschläge zu neuen Tieren sind natürlich immer willkommen.

Tja, was soll ich zu den Postern noch sagen? Sind jedenfalls immer sehr beliebt. Etwas grenzwertig ist im Nachhinein vielleicht der Maulwurf, der mit dem Bobbycar über eine Menschenmenge fährt. Das war nämlich 2 Monate, bevor ein islamistischer Terrorist sowas ähnliches auf dem Berliner Weihnachtsmarkt machte.
Sehr witzig fand ich das Pferd, weil da so schöne Spielereien versteckt sind wie der Bochumer Politiker.
Oder auch der Nacktmull (im Hintergrund ist das alte FZW zu sehen, was außer dem FZW-Pressebeauftragten erstmal niemandem aufgefallen ist).
Das Erdmännchen und der Tapir sind von der Optik her meine Favoriten.
Und das Axolotl in Comicheft-Optik (auf dem Sammelposter nicht zu sehen, aber hier) war super.
Ach, eigentlich waren alle Poster super.

Mal schauen, was da noch so kommt. Erstmal sind ja maximal Bierschinken Spezials möglich, solange diese Pandemie noch läuft (nächster angedachter Termin: 29.04.). Und danach? Wir werden sehen...
Ich war jetzt zu faul, ein Best-Of-Bandbewerbungen rauszusuchen, also hier was das ich schon mal irgendwann gepostet habe. Mir wird immer leicht unwohl wenn Bands versuchen, durch "Professionalität" zu überzeugen. Mag sein, dass das bei anderen Veranstalter*innen zieht, aber wenn ihr schreiben würdet "wir sind ne kleine Rumpelpunkband ohne Fans", wäre mir das einfach tausendmal sympathischer als son abgehobener Käse.

Auf viele Bewerbungen antworte ich übrigens gar nicht erst. Das ist zwar ein dummer Move und den Bands gegenüber ungerecht, aber es stiehlt halt auch einfach Zeit!

Aber meine Lieblingsbewerbung kommt eigentlich seit fast 10 Jahren regelmäßig 2-3 mal im Jahr, von einer Status-Quo-Coverband aus Belgien, die einfach nicht aufgibt. Respekt dafür! Anfangs haben sie uns noch mit "Hello Bierschinken eats FZW" begrüßt, aber seit einigen Jahren scheinen wir in ihrem Verteiler verrutscht zu sein und sie schreiben immer "Hello Afdreiht un Buten", was die Sache noch witziger macht. Vielleicht stelle ich mal irgendwann ein Balkendiagramm zusammen zur Entwicklung ihrer Gagenvorstellungen. Oder vielleicht buche ich sie einfach. Was meint ihr?

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